Hallo ihr Lieben,

ich weiß, es ist schon wieder eine Weile her, dass ich einen Beitrag verfasst habe, aber ich war die letzten Wochen sehr eingebunden und bin nebenbei nicht wirklich zum Schreiben gekommen.

Meine ersten eigenen Reportagen

Am 07.10. begab ich mich auf die Feria de las Etnias, die im Centro Nacional de la 13315810_522186381298243_3636021963887819166_nCultura, in San José Centro stattfand. Es ging darum, die verschiedenen kulturellen Einflüsse zu zelebrieren, die alle Teil der costaricanischen Geschichte und Gegenwart sind und dessen Kultur und Identität prägen.

Für mich stellte dieser Tag auch eine Premiere dar: ich führte meine ersten Interviews ins Spanisch, hielt die Eindrücke auch in Form von  fest und unterhielt mich mit den unterschiedlichsten Menschen. In den Interviews suchte ich Antworten auf die Frage, was für die jeweiligen Menschen, die Kultur Costa Ricas ist und was die prägenden Faktoren sind. Die Indígenas berichteten aus ihrer ganz persönlichen Sicht und verwiesen darauf, dass sie nur über ihre eigene Kultur sprechen könnten. Das Wochenende über gab es verschiendenste Programmpunkte, wie zum Beispiel Musik aus Límon, die ein bisschen Karibik nach San José brachte, sowie auch Workshops zu den Themen Tanz und Handwerk.img_0052img_0045

Marcha de la Salud Mental

Menschen, die als nicht „normal“ gelten, aufgrund geistiger Erkrankungen werden img_0116von der Gesellschaft ausgeschlossen. Die gängige Praxis in Costa Rica ist es immer noch die betroffenen Menschen, die unterschiedlichsten Pharmazeutika zuzuführen und so wird versucht sie als ‚funktionierendes Mitglied der Gesellschaft zu integrieren‘, doch über was für eine Integration wird hier überhaupt gesprochen. Die Menschen werden unter Drogen gesetzt und ruhig gestellt und in ihrer Diversität und körperlichen Integrität in keiner Weise respektiert.

Orgullosamente Locos y Podemos Volar

Doch es gibt auch Widerstand der sich gegen dieses System und diese Praxis regt. Am 10.10. schlossen sich zwei soziale Gruppen zusammen, um gemeinsam die Menschen in den Straßen San Josés zu mobilisieren und darauf aufmerksam zu machen, dass ein solcher Umgang mit Patient*innen menschenunwürdig ist und es Zeit für einen Wandel wird.img_0152

Es war der erste Demonstrationsmarsch seiner Art in ganz Lateinamerika. Ca. 50 Menschen nahmen daran teil, das mag im ersten Moment sehr wenig erscheinen, doch es ist ein Anfang und die Organisator*innen waren mehr als zufrieden, da sie es doch schafften, sich Gehör zu verschaffen, Menschen, die in der Stadt unterwegs waren blieben neugierig stehen und hörten zu. Ich bin froh dabei gewesen zu sein.

Ausflüge ins Paradies

Zwei Wochenden verbrachte ich in Dominical und stürzte mich, mit Machete und img_3992Gummistiefeln in den Regenwald. Es ist ein wahnsinniges Gefühl von Freiheit gepaart mit etwas Hilflosigkeit, das mich ereilt. Kein Straßenlärm, keine anderen Menschen. Nur Randine, ich und diese wahnsinnig schöne Natur. Wir erkunden Wasserfälle und klettern auf und ab. Was für ein Abenteuer – ich fühle mich wie im Film, auf Expedition. Insgeheim hoffe ich jedoch, dass uns keine Schlange begegnet und ich die Machete nicht einsetzen muss. img_3953

Mein Guide erklärt mir alle Pflanzen, an denen wir vorbei kommen. So viele tropische Früchte, die einfach wild wachsen – verrückt. Mango, Papaya, Banane, Avocado, Zuckerrohr, Spinat und und und ….bei jedem Schritt habe ich Angst auf irgendeine Obst- oder Gemüsepflanze zu treten. Es ist schon ein atemberaubendes Fleckchen Erde, auf dem wir uns momentan befinden. Die Gegend um Dominical ist so divers, von Wasserfällen, über Regenwald und Berge, die im nebel verschwinden, bis hin zu zu enden scheinenden Stränden gibt es hier einfach alles. img_3995

Was gibt es Neues?

Nachdem mir meine Jeansjacke von der Wäscheleine entwendet wurde und die Streitigkeiten im Haus immer intensiver zu werden schienen, so wie das Schweigen, das daraufhin folgte, entschied ich, es ist Zeit für mich eine neue Unterkunft zu finden. Also machte ich mich am 21.10. auf den Weg zu zwei Wohnungsbesichtigungen. Die erste WG wirkte nett, aber mir wurde gleich erzählt, dass es kein wirkliches Zusammenleben gäbe und das wollte ich nicht mehr. Ich suchte quasi nach einem Zuhause.

Als ich am Nachmittag die andere Wohnung ins Lourdes, San Pedro, in direkter Nähe zur U Latina betrat, fühlte ich mich sofort wohl. Marycruz empfing mich sehr herzlich und als ich mein Zimmer betrat, wusste ich, das würde es werden für die nächsten Monate.

Ich sagte ihr ohne zu zögern zu und teilte meiner WG noch am Abend mit, dass ich schon in den nächsten Wochen umziehen würde. Meine Mentorin Mary ist einfach ein Engel. Sie half mir sofort einen Transport zu organisieren für Mittwoch den 26.10.

Mein neues Zuhause

Ich wohne mit einer ganz wunderbaren jungen Frau zusammen, Marycruz, BWL-Studentin und einfach ein schöner Mensch, von innen sowie von außen. Wir haben uns auf Anhieb verstanden und das Zusammenleben scheint so schön unkompliziert. Kein skeptisches Zimmer abschließen mehr, nette Gespräche am Abend und gemeinsame Barbesuche. ich freue mich auf die kommenden Monate.

Seit Mittwoch schlafe ich auch nachts wieder durch, was mir zeigt wie sehr einen eine stressige Wohnsituation auch körperlich mitnehmen kann, ohne es vielleicht im ersten Moment so zu bemerken.

Außerdem ist die Wohnung super gelegen. San Pedro ist das Kreuzberg San Josés, viele Studierende aus allen Winkeln dieser Erde, vegane und vegetarische Restaurants. Sodas, die die ganze Nacht geöffnet sind und Spätis;).

Halloween – Süßes sonst gibt’s Saures

Das letzte Wochenende nutzte ich, um in meiner neuen Umgebung anzukommen. Ich kaufte ein paar Dinge für die Wohnung und richtete mich ein. Samstag war dann im Casa mundo große Halloween Party angesagt. Verkleidung war Pflicht. Ich liebe es einfach. Die Party war ein voller Erfolg. mein Highlight des Abends war es jedoch mit absoluten Wohlfühlmenschen, nachts um 3 in einer Soda zu sitzen und Gallo Pinto mit Ei zu essen. ich habe mich auf Anhieb in diesen Ort verliebt, weil er so authentisch ist.14937310_1436335099713285_7846451493377478983_n

Wenn man nachts in Deutschland, nach einer guten Party noch eine Dönerbude des Vertrauens aufsucht und all die bunten Gestalten fasziniert beobachtet, die genau das jetzt brauchen nach einer erfolgreich durchzechten Nacht. Alle Gesichter, die einem begegnen erzählen die Geschichte ihrer Nacht – einfach wunderbar. Das fehlte mir so, seitdem ich hier bin…der gute Gemüsekebab, der den nächtlichen Heißhunger, in dieser wunderbar heruntergekommenen und doch so strahlenden Art und Weise stillt.

Und da war es also, das Equivalent zu unserer Dönerbude, eine Soda, die die ganze Nacht geöffnet ist, um als Zuflucht zu dienen, für alle Nachtschwärmer, die einen gelungenen Abschluss suchen. Und so saßen wir da, über eine Stunde, müde, satt, zufrieden und glücklich.

Ich werde mich in den nächsten Tagen bemühen, endlich Leben in den Bereich Voces Nuestras der Seite zu bringen. Ihr dürft gespannt sein, auf Beiträge zum Thema Femicidios und Machismo in Theorie und Praxis, so wie der Widerstand, der sich immer stärker regt gegen diese Phänomene der Gesellschaft

#NiunaMenos #VivasNosQueremos

Fühlt euch ganz herzlich gedrückt,

eure Jule

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