Sonne, Strand, Mehr? – die Karibik

Am 25.08. war es soweit, der 15-tätige Sprachkurs war rum und es stand der letzte Abend in unseren Gastfamilien bevor. Meine Gasteltern hatten ein ganz fantastisch Essen gezaubert, mit frischem Fisch, Salat und Kartoffeln.IMG_3754

Wir saßen danach noch gemütlich zusammen und bekundeten uns, wie froh wir über unsere Begegnung waren. Danach musste ich packen, da Freitagfrüh der Umzug in meine WG bevorstand. Meine Gastmama schenkte mir den Wäschekorb aus meinem Zimmer und Tupperdosen, damit ich mir mein Essen mit ins Büro nehmen kann. Die zwei Wochen in der Familie waren ganz fabelhaft und ich habe mich zum Ende hin immer wohler gefühlt, wobei ich mich jetzt auch auf eine WG mit Menschen freue, die mehr oder weniger in meinem Alter sind.

Ich konnte vor lauter Aufregung kaum schlafen und wälzte mich von einer zur anderen Seite. Am nächsten Morgen, holte unsere Landesmentorin Irmgard, Louisa und mich ab und brachte uns nach La Paulina und San Pedro.

Ich brachte meine Sachen in mein Zimmer und packte schnell meinen kleinen Rucksack, für unseren Wochenendausflug zusammen. Da der Sprachkurs vorbei war und die Arbeit erst nächste Woche beginnt, dachten wir uns, wir sollten über das Wochenende noch einmal raus. Also fuhren wir an die Karibik.

Traumstrände und Pura Vida in Puerto Viejo

15 Freiwillige nahmen den Bus 14Uhr vom Terminal Atlantico Norte in San José IMG_3758nach Puerto Viejo. Gegen 19:30 kamen wir im Hostel – Rocking J’s an. Nach einer kalten Dusche und leckerem Essen fühlte ich mich auch wieder etwas lebendiger.

Puerto Viejo ist ein kleines Städtchen, in der Karibik mit jamaikanischen Einflüssen. Auch außerhalb der Hauptsaison bemerkt man, dass dieser Ort vom Tourismus lebt, was der entspannten Grundstimmung der Menschen vor Ort keinen Abbruch tut. Wir verbrachten die Nächte in Hängematten, in denen man erstaunlich gut schlafen konnte. Das ganze Hostel war voller Mosaik-Kunstwerke und Gemälde. An der Rezeption werden kostenlos, Malerei- und Mosaikutensilien zur Verfügung gestellt.

Das Hostel verfügt über einen direkten Zugang zum Strand, was einfach wunderbar ist. Nicht wie in anderen Ländern, gilt in Costa Rica, dass alle Strände frei zugänglich sind für alle Menschen, sodass es keine abgetrennten Hotel-Strandbereiche gibt.

Abends saßen wir am Lagerfeuer, beobachteten den strahlenden Sternenhimmel und lauschten den Klängen von Bongos und Didgeridoo. Wie es mir doch fehlte, diese magische Atmosphäre, die Hostels mit sich bringen.

Erkundungstour mit dem Fahrrad

Am Samstag mieteten wir uns Fahrräder vom Hostel (für ca. 4€ pro Tag) radelten los. Die Räder verfügten nur über einen Rücktritt, der auch nicht ganz so effektiv bremste. Zum Glück gab es keine Berge und man gewöhnte sich dran, dass es keine Bremse am Lenker gibt. Nach neun entspannten Kilometern, kamen wir am Strand Punta Uva an. Einfach ein wunderschöner Strand, anders kann man es nicht beschreiben. Es waren relativ wenig Menschen da und das Wasser war so warm und doch noch erfrischend,  dass man Stunden darin verbringen konnte.14125762_1375167775830018_4212517602655239960_o

Surfen konnten wir leider nicht, da es keine geeigneten Wellen gab. Die Saison beginnt hier erst im Dezember. Wobei ich nicht weiß, ob ich mir das mit all den Riffen zutraue. Da bietet sich die Pazifikküste schon eher an.

Karibische Küche

Samstagmorgen fanden wir ein ganz idyllisch gelegenes Café, im Herzen Puerto Viejos, welches von Engländer*innen betrieben wird. Es ist etwas versteckt in einer Nebenstraße gelegen, das Café Rico. Neben zahlreichen frischen Obstsäften und Smoothies bietet es selbstgemachtes Ginger Beer an sowie eine große Auswahl an gesunden Frühstücksleckereien. Wir entschieden uns für den Breaky Boost, da wir Energie für den Tag brauchten und bekamen eine riesen Schale voller Obst, Müsli, Joghurt und Honig. Einfach ein Gedicht.

Abends nach dem Strand fanden wir uns bei der Soda Tamara ein, einem für die Region typischen Restaurant, in dem es Rice and Beans und Patacones gibt. Rice and Beans sind ähnlich wie Gallo Pinto, der Unterschied ist, dass Reis und Bohnen mit Kokosmilch zubereitet werden. Patacones sind Kochbananen, die in Scheiben geschnitten, plattgedrückt und frittiert serviert werden. kulinarisch gefällt mir die Karibik sehr gut und auch die Menschen sind sehr entspannt. Darüber hinaus fällt uns auf, dass es weniger übergewichtige Menschen gibt, als in San José.

Alles in allem war es ein ganz wundervolles Wochenende, mit tollen Menschen, leckerem Essen, Traumstränden, Pura Vida halt.

So glücklich und zufrieden wie wir da saßen und uns fast im Paradies wähnten, darf nicht vergessen werden, dass die besagte Region, trotz ihrer Traumstrände und des wundervollen Wassers und Klimas, auch ihre Schattenseiten und Probleme hat.

Nicht alles nur Pura Vida

Die Limón-Region, um Puerto Viejo gehört zu den Gegenden, in denen man es tunlichst unterlassen sollte, Wasser aus dem Wasserhahn zu verköstigen, da dieses kontaminiert ist. Verseucht wurde das Wasser durch den extrem hohen Einsatz von Pestiziden auf den Obstplantagen in der Gegend. Das Grundwasser ist verseucht und in manche abgelegenen Gegenden müssen, mit Trinkwasser beladene Tanklaster fahren, um die Trinkwasserversorgung zu sichern.

Ärger im Paradies – Einfluss von Monokulturen und Großbetrieben

Costa Rica ist das Land, mit dem höchsten Pestizideinsatz pro Quadratmeter. Dies hat zur Folge, dass nicht nur das Grundwasser verseucht wird, sondern auch, dass weitere gesundheitliche Schäden für Mensch und Tier durch die hohe Belastung entstehen.

Vor allem die Monokulturen der Großbetriebe stellen ein Problem dar. Durch die Monokulturen und den hohen Pestizideinsatz wird die Biodiversität gefährdet. Vor allem Bananen- und Ananasplantagen werden im großen Stil angelegt und vermarktet. Da, das Umpflügen der Wurzeln den Großbetrieben zu teuer ist, lassen sie einfach Mulden voller Wasser zurück, welche eine geeignete Grundlage für Fruchtfliegen bilden. Diese Fruchtfliegen befallen vor allem Rinderherden, die meist nicht unweit von den Obstplantagen entfernt weiden. Dies führte zu erheblichen Diskrepanzen zwischen Rinderhalter*innen und Obstplantagenbetreiber*innen. Problem an dieser Sache ist, dass die kleinen Landwirt*innen nicht so gut organisiert sind wie die Global Players und somit nicht viel ausrichten können.

Was kann ich als Verbaucher*in tun?

Als Verbaucher*in hat man die Möglichkeit frisch und  lokal einzukaufen und große Supermarktketten zu meiden – in diesen sind Obst und Gemüse sowieso viel zu teuer. Ich kann darüber hinaus überlegen was ich wann esse und woher die Erzeugnisse kommen. Wenn alle Ananas und Bananen in Form und Größe vollständig identisch sind, dann weiß ich, dass diese Früchte im großen Stil so gezüchtet wurden.

Vielleicht brauche ich auch in Costa Rica nicht unbedingt den importierten Apfel aus Chile, sondern kann mich an Mangos, Wassermelonen, Papayas, Mamones, Ananas und Minibananen satt essen.

Der einzige Nachteil dabei ist, dass die Global Player, die ihre Erzeugnisse nach Europa liefern, europäischen Standards folgen müssen, was denPestizideinsatz betrifft. Dies gilt nicht für Erzeugnisse, die im Land bleiben.

Am Besten darauf achten, auf kleinere Märkte zu gehen und mit den Verkäufer*innen zu reden, vielleicht findet man so eine*n Erzeuger*in des Vertrauens, der/die weniger Pestizide einsetzt.

Ich freue mich schon darauf, am Samstag die Feria de Agricultor in Guadalupe zu besuchen und mich mit frischem Obst und Gemüse einzudecken.

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Der liebe Alltag

  1. Thomas

    Genau Sonnenschein, mehr Bio direkt vom Land und weniger Supermarkt … Lob !!! hau dir die Tupperdosen voll mit Obst und Gemüse …ein wirklich sehr schöner Text… am besten gefiel mir das Wort „Biodervisität“ da musste ich zwangsweise erstmal Googlen *g*

    Schön zu hören das dich die Strände auch ohne Surfbrett verzaubert haben und es dir im „Paradies“ gut geht…

    freue mich schon auf deine nächsten Etappen.

    • Jule

      Danke lieber Thomas,

      ja, das war meine eigene Wortkreation :D, danke für den Hinweis.
      Fühl dich gedrückt


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